Montag, November 13, 2006
Montag, Oktober 09, 2006
AEG, Lidl, IKEA und Co.

Die Enscheidung über den Umgang mit unaufhörlich auswandernden Unternehmen trifft immer der Konsument. Wie emotional unsere Kaufentscheidung überhaupt noch ist, läßt sich dennoch herausfiltern aus der vorgegaukelten Emotionalität, die Werbestrategen versiert herauskitzeln. Längst folgt der deutsche Durchschnitts-Konsument doch emotional hervorgerufenen rationalen Entscheidungen bei Lidl, IKEA und Co. Den oft wiederholten Vorwurf, Lidl behandle seine Mitarbeiter mies und verkaufe schlechtes Obst kratzt den Konsumenten eben so wenig wie die günstige IKEA Käsereibe aus China, Indien oder Pakistan, die den IKEA-Freund vielleicht nur halb soviel kostet wie eine deutsche Käsereibe Made in Germany, aber auch nur ein Bruchteil des "günstigen" Verkaufspreises im Einkauf kostet und somit völlig überteuert an den Mann oder die Frau gebracht wird. Und das mit einem Wahnsinns-Erfolg.
Schließt das ehemalige deutsche Traditionsunternehmen AEG unter Electrolux seine Produktion in Nürnberg, obwohl es laut Gutachtern Gewinne einfährt und bei einer Verlagerung nach Polen noch ein paar Prozente mehr Profit rausholt, wird der deutsche Rationalist längst vergessen haben. Vergessen, dass durch diese Profitgier 1.750 AEG-Mitarbeiter den Arbeitsplatz verloren hatten - aber die neue Waschmaschine aus Polen darf dann trotzdem genausoviel (oder mehr) kosten, wie das Vorgängermodell aus Nürnberg. Eine emotionale Kaufentscheidung sieht anders aus. Die logische Konsequenz müsste ein Boykott aller AEG und Electrolux Produkte sein - kein Herd, keine Waschmaschine, kein Geschirrspüler.
Sonntag, Oktober 08, 2006
BENQ Pleite oder die Siemens-Schmach
Überrascht waren viele von der Anküdigung eines südkoreanischen Handy-Herstellers, die verlustreiche Handy-Sparte von Siemens übernehmen und sanieren zu wollen - das war vor einem Jahr. Heute wissen wir um das Fehlschlagen dieses wundersamen Versuchs. Warum wundersam? Nun, in Deutschland werden Arbeitsplätze normalerweise abgebaut. Gerade in der Produktion von Unterhaltungs - Elektronik im Konsumentenbereich fällt einem spontan, bis auf wenige rühmliche Ausnahmen, nichts Vergleichbares ein. Schon gar nicht mit Arbeitsplatzgarantie. Ein Jahr später meldet BenQ Siemens Mobile, die deutsche Tocher von BenQ, Konkurs an und stellt alle Zahlungen bis auf weiteres ein. Die ambitionierte Sanierung der ehemaligen Siemens Handy-Produktion - futsch, der anvisierte Marktanteil von 10 % - futsch, wobei der "alte" Marktanteil noch unterboten wurde. Letztlich bangen 3.400 Mitarbeiter zu recht um ihre Existenz oder zumindest um ihren Arbeitsplatz. Und noch sind viele Fragen offen. Inwieweit trägt Siemens eine Mitschuld oder wurde gar für die Einstellung der Produktion bezahlt? Eine derartige Vermutung äußerte der Betriebsrat in einem Schreiben an den Siemens Vorstand: "Von vornherein waren beide Verhandlungspartner auf die Entsorgung der deutschen Mitarbeiter aus, anstatt sich um die Sanierung des Unternehmens zu kümmern". Die Zahlung in Höhe von 350 Millionen € von Siemens an BenQ -on Top- in 2005 entkräftet diesen Vorwurf nicht wirklich. Aber halt! nochmal zum Mitschreiben. BenQ "kauft" ein Unternehmen von Siemens und Siemens "verkauft" selbiges und legt noch 350 Millionen € und ein paar Patente obendrauf. Seltsam - ein merkwürdiger Kauf. Es gilt aber die Unschuldsvermutung bis zur endgültigen Klärung oder was auch immer irgendwann kommuniziert wird.
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