
Die Enscheidung über den Umgang mit unaufhörlich auswandernden Unternehmen trifft immer der Konsument. Wie emotional unsere Kaufentscheidung überhaupt noch ist, läßt sich dennoch herausfiltern aus der vorgegaukelten Emotionalität, die Werbestrategen versiert herauskitzeln. Längst folgt der deutsche Durchschnitts-Konsument doch emotional hervorgerufenen rationalen Entscheidungen bei Lidl, IKEA und Co. Den oft wiederholten Vorwurf, Lidl behandle seine Mitarbeiter mies und verkaufe schlechtes Obst kratzt den Konsumenten eben so wenig wie die günstige IKEA Käsereibe aus China, Indien oder Pakistan, die den IKEA-Freund vielleicht nur halb soviel kostet wie eine deutsche Käsereibe Made in Germany, aber auch nur ein Bruchteil des "günstigen" Verkaufspreises im Einkauf kostet und somit völlig überteuert an den Mann oder die Frau gebracht wird. Und das mit einem Wahnsinns-Erfolg.
Schließt das ehemalige deutsche Traditionsunternehmen AEG unter Electrolux seine Produktion in Nürnberg, obwohl es laut Gutachtern Gewinne einfährt und bei einer Verlagerung nach Polen noch ein paar Prozente mehr Profit rausholt, wird der deutsche Rationalist längst vergessen haben. Vergessen, dass durch diese Profitgier 1.750 AEG-Mitarbeiter den Arbeitsplatz verloren hatten - aber die neue Waschmaschine aus Polen darf dann trotzdem genausoviel (oder mehr) kosten, wie das Vorgängermodell aus Nürnberg. Eine emotionale Kaufentscheidung sieht anders aus. Die logische Konsequenz müsste ein Boykott aller AEG und Electrolux Produkte sein - kein Herd, keine Waschmaschine, kein Geschirrspüler.
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