Sonntag, Oktober 08, 2006

BENQ Pleite oder die Siemens-Schmach

Überrascht waren viele von der Anküdigung eines südkoreanischen Handy-Herstellers, die verlustreiche Handy-Sparte von Siemens übernehmen und sanieren zu wollen - das war vor einem Jahr. Heute wissen wir um das Fehlschlagen dieses wundersamen Versuchs. Warum wundersam? Nun, in Deutschland werden Arbeitsplätze normalerweise abgebaut. Gerade in der Produktion von Unterhaltungs - Elektronik im Konsumentenbereich fällt einem spontan, bis auf wenige rühmliche Ausnahmen, nichts Vergleichbares ein. Schon gar nicht mit Arbeitsplatzgarantie. Ein Jahr später meldet BenQ Siemens Mobile, die deutsche Tocher von BenQ, Konkurs an und stellt alle Zahlungen bis auf weiteres ein. Die ambitionierte Sanierung der ehemaligen Siemens Handy-Produktion - futsch, der anvisierte Marktanteil von 10 % - futsch, wobei der "alte" Marktanteil noch unterboten wurde. Letztlich bangen 3.400 Mitarbeiter zu recht um ihre Existenz oder zumindest um ihren Arbeitsplatz. Und noch sind viele Fragen offen. Inwieweit trägt Siemens eine Mitschuld oder wurde gar für die Einstellung der Produktion bezahlt? Eine derartige Vermutung äußerte der Betriebsrat in einem Schreiben an den Siemens Vorstand: "Von vornherein waren beide Verhandlungspartner auf die Entsorgung der deutschen Mitarbeiter aus, anstatt sich um die Sanierung des Unternehmens zu kümmern". Die Zahlung in Höhe von 350 Millionen € von Siemens an BenQ -on Top- in 2005 entkräftet diesen Vorwurf nicht wirklich. Aber halt! nochmal zum Mitschreiben. BenQ "kauft" ein Unternehmen von Siemens und Siemens "verkauft" selbiges und legt noch 350 Millionen € und ein paar Patente obendrauf. Seltsam - ein merkwürdiger Kauf. Es gilt aber die Unschuldsvermutung bis zur endgültigen Klärung oder was auch immer irgendwann kommuniziert wird.

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